Der Tiefbauausschuss der Gemeinde Wardenburg soll am kommenden Donnerstag über eine Vorlage zur Neugestaltung der Hundsmühler Hunoldstraße abstimmen. Dieses Papier hat jetzt im „Arbeitskreis Hunoldstraße“ des Ortsvereins Hundsmühlen für einiges Unverständnis gesorgt. Der Arbeitskreis koordiniert seit über zwei Jahren die Bürgerbeteiligung im Ort und hat als Folge vieler Diskussionen im Frühjahr ein „Bürgerkonzept Hunoldstraße“ vorgelegt, das die Wünsche und Gestaltungsvorschläge der Bürger zusammenfasst.
Parallel zu diesem Konzept hat die Gemeinde mit viel Geld den Landschaftsplaner Mosebach beauftragt, der im Mai eigene Vorstellungen zu Papier gebracht hat. In mehreren Abstimmungsgesprächen mit der Gemeinde wurde eine gemeinsame Schnittmenge gefunden. Für andere Punkte der Planung (Gestaltung des Ortszentrums und der Ortseinfahrten) sollten die Details noch weiter ausdiskutiert werden.
Umso überraschter war der Arbeitskreis, dass sich in der Beschlussvorlage an den Tiefbauausschuss nur noch wenige Punkte – wie die Verringerung der Straßenbreite auf 6,50 m – wiederfinden. Allerdings fehlt dazu die von Anfang an von dem AKH damit verbundene Voraussetzung, dass die Geschwindigkeit des Verkehrs durch verkehrsleitende Maßnahmen wie Fahrbahnteiler im Eingangs- und Ausgangsbereich des Ortes und vor und nach Bereichen mit hoher Verkehrsdichte beruhigt und daher die Aufmerksamkeit der Fahrer erhöht wird. Der jetzt eingebrachte Plan der Gemeinde zementiert nicht nur den Charakter der Hunoldstraße als Schnellstraße durch den Ort, sondern verstärkt ihn noch, zumal nach den Ausführungen der Gemeinde in der Anliegerversammlung auf der Hunoldstraße kein Parken mehr möglich sein soll und keine Kompensation durch Schaffen von Parkraum an anderer Stelle erfolgt. Die Autofahrer haben ungehindert freie Fahrt und können bei verengtem Straßenprofil ihr Tempo ausleben.
Die bislang beklagten Missstände um die Gestaltung der Hunoldstraße herum werden noch verschärft. Die angestrebte „bürgerfreundliche Straße“ wird durch diese Ausschussvorlage der Gemeinde bereits jetzt zu den Akten gelegt, bevor es zu einem Planungsverfahren kommt. Die bislang signalisierte Unterstützung der Anliegen der knapp 150 Bürger, die weitgehend Anlieger sind und in 7 Arbeitsgruppen das Bürgerkonzept erstellt haben, wurde durch eine plötzliche Kehrtwendung ohne Gespräch mit dem Arbeitskreis „vom Tisch gefegt“. So wird eine sichere Querung der Hunoldstraße für ältere Bürger und Familien mit Kleinkindern noch schwieriger als bisher. Mit dem Wunsch nach einer 3. Schlafampel an der Erwin – Fritzsche- Straße allein ist es nicht getan.
Die zuletzt in der öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung der Gemeinde Wardenburg auch von Herrn Prof. Herwig Birg formulierten Anforderungen an die inhaltliche Gestaltung der Prozesse in der Gemeinde zur Bewältigung der sich aus der demografischen Entwicklung und dem Bevölkerungsschwund ergebenden Probleme zu erfüllen, werden verfehlt. Frei nach dem Motto, „wir können über alles reden, aber es darf kein Geld kosten“, gibt die Gemeinde eine große Chance aus Hand, hier in einem ersten Projekt die Weichen für den Demografieprozess zukunftsweisend zu stellen. Es wird noch nicht einmal eine Kostenschätzung vorgenommen, ob - und dann in welcher Höhe - die dem Grunde nach mit dem Arbeitskreis abgestimmten Maßnahmen der Verkehrsleitung zu Mehrkosten führen oder nicht.
Der Arbeitskreis Hunoldstraße trägt diese Planung nicht mit und distanziert sich davon.
Er fordert eine Nachbesserung in folgenden zentralen Punkten:
- Die Chance für die Gestaltung eines echten Ortszentrums in Hundsmühlen darf nicht vertan werden! Die Gemeinde hat hier für viel Geld einen Gestaltungsvorschlag erstellen lassen, der vom AKH ausdrücklich begrüßt wurde und von dem in der Vorlage jetzt nichts mehr übrig geblieben ist! Das Geld dafür wurde schlichtweg versenkt.
Der AKH betont daher, dass wenigstens die Mindestanforderungen an die Gestaltung der Straße in diesem Bereich erhalten bleiben müssen: Der Abschnitt zwischen Kirche und LzO muss sich farblich (in Rot) vom Rest der Durchgangsstraße absetzen. Der Bordstein muss hier abgesenkt werden, um einen platzartigen Charakter und damit eine gewisse Verlangsamung der Ortsdurchfahrt zu erzeugen. - Genauso wesentlich ist die Gestaltung der Eingangsbereiche in den Ort. Insbesondere das südliche Grüntor in Form einer Querungshilfe auf der Höhe Hunteweg ist unverzichtbar, um den Verkehr auf die Ortsdurchfahrt einzustimmen und den Kindergartenkindern eine sichere Überwegung zu ermöglichen.
- Die Planung der Kreuzung D.- Dannemann-Straße hält der AKH für ungeeignet: Der aus Richtung Südmoslesfehn einmündende Verkehr hätte keine ausreichende Sicht auf den Verkehr der Hunoldstraße. Die Baumbepflanzung und die Verschwenkung behindert die Sicht für alle Verkehrsteilnehmer zusätzlich. Auch wenn der aus verkehrstechnischer Sicht vorteilhaftere, überfahrbare Kreisel derzeit nicht umsetzbar zu sein scheint, sollte man stattdessen auf den Einmündungsvorschlag des AKH zurückkommen, der wesentlich sicherer ist und das Ziel „Verstetigung des Verkehrs“ besser unterstützt. Die Vorteile eines Kreisels als verkehrsleitende, beruhigende Maßnahme an dieser Stelle sollten weiterhin geprüft werden.
- Die Überführung der Radwege über die D.-Dannemann-Straße und über die Achternmeerer Straße darf nicht, wie in der Vorlage vorgesehen – über einen erhöhten Weg erfolgen, da damit die Lärmbelastung signifikant erhöht und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer vermindert wird. Ein solcher "Fahrrad-Damm" ist bei einer Hauptverkehrsstraße Unfug und muss verhindert werden.
- Es darf bei der Abstimmung über die Vorlage nicht der Eindruck erweckt werden, dass die vorgestellte Planung bereits mit den Anliegern oder dem AKH abgestimmt ist:
Die Anlieger haben auf der Versammlung vom 06.10.2011 ausdrücklich nur über die Nebenanlagen und die Erneuerung der Straßenbeleuchtung abgestimmt und der AKH hat zu dem letzten Planungsstand („Backer-Plan“) noch keine Stellungnahme abgegeben! Viele Punkte bedürfen hier noch der Nachbesserung (Bsp.: Gestaltung der Einmündung Achternmeerer Straße).
Der AKH unterstützt ausdrücklich die Leitlinie der Vorlage, auf Grunderwerb für die Gestaltung der Nebenanlagen zu verzichten, auch wenn das bedeuten sollte, dass die Straßenlaternen jeweils an die Außenseite der Nebenanlage platziert werden müssen!
Wenn diese Vorlage und damit der Plan unverändert angenommen werden, sind zwei Jahre engagierte Bürgerbeteiligung umsonst gewesen! Der Ort Hundsmühlen wird damit dem Verkehr geopfert. Um dieses zu verhindern, sollte auf jeden Fall erreicht werden, dass der Berichtstermin 31.10.2011, der seitens der Gemeinde gegenüber dem Landkreis bestehen soll, erneut verschoben wird. Es sollte vielmehr angestrebt werden, in Ruhe eine mit den neu gebildeten Ausschüssen und dem Rat und den Bürgern abgestimmte Stellungnahme zu erreichen. Eine wie jetzt geplante Stellungnahme ist nicht abgestimmt und übers Knie gebrochen. Sie trifft im Vorgriff auf die nächste Ratsperiode bereits jetzt Feststellungen, die eigentlich allein wegen ihrer Bedeutung und langfristigen Wirkung auf die Entwicklung des Ortes Hundsmühlen Gegenstand der Beratungen des Rates sein sollten.
